Man muss keine 42,195 km laufen, um an einem Marathon teilnehmen zu können – die Alternative: ein Staffellauf. Dieser ist seit 2012 fester Bestandteil des Hamburger Marathons. Vier Läufer bilden ein Team. Es gibt verschieden lange Streckenabschnitte, sodass jeder Teilnehmer etwas passendes für sich finden kann. So bekommt man je nach Belieben auf 16,3 km – 11,2 km – 5,4 km oder 9,4 km etwas von der Stimmung auf der Strecke mit.

Als Staffelholz fungiert ein Chip-Transponder, den man durch ein Klettband am Fußgelenk befestigt und in den Wechselzonen weitergibt. Die Wechselzonen sind in Staffelboxen eingeteilt, die sich nach Startnummern sortieren. Eine gute Übersicht ist nötig, um einen guten Wechsel möglich zu machen, denn dieser zählt auch zur Gesamtzeit.

Timo hat seine Staffel seit 2012 und läuft traditionell jedes Jahr mit. Bei mir ging es letztes Jahr mit einer Staffel los und deswegen laufen wir in zwei verschiedenen Staffel-Teams. Timos ist eine reine Männerstaffel und bei mir ist es Mixed – zwei Frauen und zwei Männer.

Dieses Jahr war es also wieder soweit: Ein Tag vor dem Lauf haben wir uns mit dem Team bei der Marathon-Messe getroffen und holten die Startunterlagen ab. Dann testete jeder das Befestigen des Transponders am Fußgelenk, um ein Gefühl dafür zu bekommen und nicht allzu lange beim Wechsel überlegen zu müssen. Wichtig war noch die zu erwartenden Laufzeiten zu besprechen und dementsprechend die Uhrzeiten, an denen sich die Läufer 2 – 4 am Wechselpunkt einfinden mussten. Als alles soweit klar war, stand dem bevorstehendem Lauf nichts mehr im Wege.

Als dritte Läuferin musste ich am nächsten Morgen nicht allzu früh an der Strecke sein. In der Staffelbox angekommen stieg die Aufregung deutlich. Ich stand gespannt und zugleich voller Vorfreude bereit. Beim Warten auf meine Staffelpartnerin ging der Blick ständig auf Uhr und Handy, da man auf der Internetseite des Veranstalters live die Zwischenzeiten einsehen konnte. So habe ich mir die ungefähre Ankunft noch mal ausgerechnet.

Irgendwann war es dann soweit: Der Wechsel klappte fast reibungslos und es ging für mich los. Ich wurde direkt von der guten Stimmung und den vielen Menschen an der Strecke mitgerissen. Applaus, Zurufe, Musik. So fühlten sich die 5,4 Kilometer kürzer an als sie waren. Der größte Respekt galt aber den Volldistanzlern, welche schon über 25 Kilometer hinter sich hatten. Obwohl Marathonläufer und Staffelläufer zusammen liefen, war genug Platz da, sodass es zu keinen Engpässen kam und keiner in seinem Lauf behindert wurde.

In der nächsten Wechselzone angekommen, übergab ich an den nächsten Läufer. Das allerdings hieß nicht für mich, dass es vorbei war. Der letzte Läufer brauchte circa 44 Minuten für seine Strecke und das war die Zeit für mich, in der ich ins Ziel fahren musste. Also bin ich direkt zur 800m entfernt gelegenen U-Bahn losgesprintet, um rechtzeitig beim Zieleinlauf dabei sein zu können. Man kann die Zielgerade als Staffelmannschaft nämlich zusammen laufen. 400m vor dem Ziel sind Staffelboxen, die es den Läufern 1 – 3 ermöglichen erneut auf die Strecke zu gelangen, sobald der vierte Läufer vorbeiläuft. So kann man den Zieleinlauf zusammen erleben. Ich habe es trotz voller U-Bahnen zum Glück rechtzeitig geschafft. Es war ein tolles Erlebnis zu viert durch das Ziel laufen zu können. Man hat das Werk auf diese Weise zusammen beendet.

Für mich ist dieser Staffellauf einer, auf den ich mich jährlich richtig freue. Die Stimmung an der Strecke ist unschlagbar. Menschen schreien den Namen, da er auf der Startnummer steht, und feuern an. Egal, ob gutes oder schlechtes Wetter  – darauf ist, zumindest in Hamburg, immer Verlass.

Die Aufregung und Nervosität im Vorwege empfinde ich als deutlich größer als vor einem Einzellauf, denn man läuft nicht nur für sich, sondern für das ganze Team und hat eine Verantwortung, die man sonst so nicht kennt. Einen Staffellauf sollte jeder Läufer mal gemacht haben – es ist ein tolles Erlebnis und zeigt, dass Laufen nicht nur ein Einzelspiel sein muss. Aktuell gibt es immer mehr Läufe, bei welchen auch die Möglichkeit eines Staffellaufs besteht, schaut euch um – es lohnt sich!

Timo und ich starten in diesem Jahr noch bei zwei Staffelläufen in Hamburg (siehe Laufkalender), diesmal aber gemeinsam in einem Team. Vielleicht sieht man sich dort ja? Wir würden uns freuen!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *